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23.03.26
atomstopp: EU-Industriekommissar Stéphane Séjourné wirbt in Österreich mit falschen Versprechen für Atomkraft
Jeder Euro für Atomkraft fehlt beim Ausbau der Erneuerbaren und verschärft die Klimakrise. Anlass zur Sorge gibt ein aktueller Österreich-Besuch des Industriekommissars
"Obwohl er als EU-Kommissar und Kommissions-Vizepräsident die Interessen der gesamten Europäischen Union vertreten sollte, tritt Stéphane Séjourné wie ein französischer Atomlobbyist auf und warb auch bei seinem heutigen Österreich-Besuch für den Ausbau der Atomenergie. Dabei ist evident, dass seine Argumente einer sachlichen Überprüfung nicht standhalten", stellt Herbert Stoiber, Geschäftsführer von atomstopp_atomkraftfrei leben! fest.
So ist das von ihm bemühte Argument der "Energieunabhängigkeit" schlicht falsch: Die europäische Atomindustrie ist in zentralen Bereichen der nuklearen Lieferkette weiterhin stark abhängig von Putins Russland. Daher gibt es bis heute keine Sanktionen gegen den staatlichen russischen Atomwaffen- und Atomstromkonzern Rosatom.
Hinzu kommt: Atomkraft ist in Europa ist ein Auslaufmodell. Das Durchschnittsalter der Reaktoren überschreitet heuer die 40-Jahre-Marke. Das heißt, die meisten AKWs hätten längst abgeschaltet werden müssen. Im Durchschnitt dürfte Ende des Jahres kein einziger Reaktor in der EU mehr laufen.
Auch der Neubau von Atomkraftwerken ist keine Lösung. Das weiß Séjourné als ehemaliger franzöischer Minister ganz genau: In Frankreich wurde in den vergangenen 26 Jahren genau 1 AKW eröffnet und es war ein Debakel: Nach jahrelanger Planung wurde mit dem Bau 2007 begonnen, ans Netz ging der Reaktor Ende 2024 - nach 17 Jahren reiner Bauzeit. Gekostet hat er statt der versprochenen 3,3 Milliarden Euro letztlich 23,7 Milliarden.
Während Séjourné also auf überholte und ineffektive Technologien setzt, wies Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer auf den einfachsten und klarsten Weg hin. Er meinte, jeder sei gefordert, Energie effizient einzusetzen, etwa auf unnötige Autofahrten zu verzichten und zu überlegen, wo man selbst Strom sparen und mit dem Energieverbrauch runtergehen könne.
"Frankreich kann nicht erwarten, dass die anderen EU-Staaten dessen Atomdebakel finanzieren. Denn selbst wer verantwortungslos genug wäre, tausenden uns folgenden Generationen den gefährlichen Atommüll zu hinterlassen und hofft, dass der nächste Super-GAU nicht in Europa passiert, muss anerkennen, dass Atomstrom keinen Beitrag zur Abbremsung der Erdüberhitzung leisten kann. Der AKW-Neubau dauert dafür viel zu lange. Außerdem gehen unflexible AKWs nicht zusammen mit den Erneuerbaren", weist atomstopp-Geschäftsführer Stoiber auf die Fakten hin.
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10.03.26
atomstopp: Erinnerungszeichen für verhindertes Atomkraftwerk nahe Linz - Harvard-Studie zeigt erhöhte Krebssterblichkeit rund um Reaktoren
Zum 15. Jahrestag der Super-GAUs von Fukushima errichten atomstopp und die Gemeinde St. Pantaleon-Erla ein Erinnerungszeichen für das vor 50 Jahren verhinderte AKW.
"Wenn wir an die Ereignisse vom 11. März 2011 erinnern, als es in Fukushima zu mehreren Super-GAUs kam, wird deutlich, welche Folgen ein schwerer Reaktorunfall in einem AKW St. Pantaleon gehabt hätte", erklärt Herbert Stoiber, Geschäftsführer von atomstopp_atomkraftfrei leben! und hält fest: "Die dauerhafte Evakuierung der nur 15 Kilometer entfernten Stadt Linz sowie vieler weiterer Städte und Gemeinden wie etwa Enns, St. Valentin und Perg, also mehrerer hunderttausend Menschen wäre wohl unvermeidlich gewesen. Aber Studien zeigen, dass auch ohne Katastrophe die Krebssterblichkeit in der Nähe von Atomkraftwerken erhöht ist."
Forschende der Harvard University legen in einer kürzlich in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlichten Arbeit dar, dass Regionen bis zu 200 Kilometer um ein AKW höhere Krebssterblichkeitsraten aufweisen als weiter entfernte Gebiete - wobei berücksichtigt wurde, dass der mögliche Einfluss mit zunehmender Entfernung abnimmt. Insgesamt schätzen die Forschenden, dass im Untersuchungszeitraum 2000 bis 2018 115.586 Krebstodesfälle mit der Nähe zu Atomkraftwerken in Verbindung stehen, wobei die Studie keine Kausalität zeigt, sondern statistische Zusammenhänge.
Vor diesem Hintergrund gewinnt ein Kapitel österreichischer Zeitgeschichte besondere Bedeutung. "In der Gemeinde St. Pantaleon-Erla sollte vor 50 Jahren ein Atomkraftwerk errichtet werden - nicht einmal 15 Kilometer von Linz entfernt. Trotz der damals verbreiteten Technologiegläubigkeit leisteten Bürger_innen massiven Widerstand gegen das Projekt. Die Bewegung weitete sich zur Anti-Atom-Bewegung rund um das AKW Zwentendorf aus und trug letztlich dazu bei, dass der mehrmals verschobene Baubeginn in St. Pantaleon-Erla endgültig verhindert wurde", erinnert Stoiber.
Die Enthüllung des Erinnerungszeichens soll deshalb nicht nur an den erfolgreichen Widerstand gegen das geplante Atomkraftwerk erinnern, sondern auch ein Zeichen für den weiteren Kampf gegen diese gefährliche und teure Form der Stromerzeugung sein. "Dass das AKW St. Pantaleon nie gebaut wurde, ist ein Verdienst engagierter und vorausschauender Menschen. An ihnen müssen sich die politischen Entscheidungsträger_innen orientieren und so mutig wie nachhaltig gegen die immer unverschämteren Geldforderungen der Atomindustrie auf EU-Ebene auftreten", fordert atomstopp-Geschäftsführer Stoiber mehr Verve im Kampf gegen die Atomlobby.
Rückfragen & Kontakt:
Herbert Stoiber, +43 681/10 42 92 51
Einladung zur Enthüllung des Erinnerungszeichens
o Mittwoch, 11. März 2026
o 10:00 Uhr
o 4303 St. Pantaleon-Erla, Stein 8
o Programm
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