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20.05.26 atomstopp: Fusionsforschung verschlingt Milliarden ohne absehbaren Nutzen für die Energieversorgung
Die Kernfusion wird politisch und medial massiv gehypt. Dadurch soll von drängenden Energieproblemen abgelenkt und der Weg für weitere öffentliche Gelder geebnet werden.
Image1024 "Im aktuellen Fusions-Hype stellte die EU-Kommission kürzlich 330 Millionen Euro für Fusionsforschung und Nuklearprogramme bereit. Sie verkauft diese zugegeben riesige Summe als "entscheidenden Schritt in der Entwicklung der Atomtechnologie", obwohl die EU ohnehin schon 27 Milliarden allein ins ITER-Projekt stecken muss", stellt Herbert Stoiber, Geschäftsführer von atomstopp_atomkraftfrei leben! fest und führt aus: "Politiker_innen verschiedener Länder, allen voran Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, führen Fusion immer wieder in die Diskussion ein, wenn es um Energiefragen geht. Damit versuchen sie den falschen Eindruck zu erwecken, Fusion könnte in den nächsten Jahrzehnten eine Rolle in der Energieversorgung spielen."

Das zentrale internationale Prestigeprojekt der Fusionsforschung ist ITER (International Thermonuclear Experimental Reactor) in Frankreich. An diesem bis zu 65 Milliarden teuren Projekt sind insgesamt 34 Länder beteiligt. Die EU-Staaten tragen 45,5 Prozent der Baukosten (die Schweiz einen kleinen Anteil davon), China, Indien, Japan, Südkorea, Russland und die USA jeweils 9,1 Prozent.

Dabei handelt es sich bei ITER nicht um ein Kraftwerk, sondern um ein experimentelles Forschungsprojekt. ITER soll lediglich zeigen, dass in dieser Anlage kontrollierte Kernfusion technisch möglich ist und ein Fusionsplasma deutlich mehr Fusionsleistung erzeugen kann, als zu seiner direkten Aufheizung nötig ist. Es ist völlig ungewiss, ob das gelingt. Aber selbst wenn die gewaltigen technischen Schwierigkeiten in den Griff zu bekommen sein sollten, wäre damit weder bewiesen, dass sich mit Fusion zuverlässig Strom erzeugen lässt, noch dass dies jemals wirtschaftlich möglich wäre. Dafür müsste erst ein weiteres Forschungsbauwerk ("DEMO") errichtet und finanziert werden.

Besonders auffällig sind die enormen Kostensteigerungen und Verzögerungen des ITER-Projekts. Als es 2006 beschlossen wurde, rechnete die EU mit Baukosten von rund 4,6 Milliarden Euro und ähnlich hohen Betriebskosten. Das wären zu heutigen Preisen etwa 14 Milliarden Euro. Diese Kosten sind zwischenzeitlich explodiert. Nach einer Analyse des US-Kongresses von 2023 werden sie bis zu 65 Milliarden Euro betragen.

Auch der Zeitplan geriet bei ITER massiv aus dem Ruder. Der Baubeginn erfolgte 2009. Ursprünglich sollte der auf 20 Jahre ausgelegte Forschungsbetrieb bereits 2016 starten. Inzwischen wird mit dessen Beginn Mitte bis Ende der 2030er-Jahre gerechnet. Sollte dieser Zeitplan nun halten, könnte man also in einigen Jahrzehnten mit dem DEMO-Bau beginnen. Auch DEMO wäre wieder ein Forschungsprojekt, kein kommerzielles Kraftwerk.

Schon lange vor ITER wurde viel an Kernfusion geforscht und auch parallel dazu existieren zahlreiche weitere Projekte weltweit. So wird etwa in Deutschland mit der ebenfalls Milliarden verschlingenden Versuchsanlage Wendelstein 7-X seit langem an einem anderen Fusionskonzept gearbeitet.

Wie weit Fusionskraftwerke von einer technischen Realisierbarkeit entfernt sind, zeigt die Aussage von ITER-Chef Pietro Barabaschi, der feststellte: "Die kontrollierte Kernfusion wird sicher nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen, um die Welt vor dem Klimawandel zu retten."

"Wenn also Politiker_innen immer wieder die Kernfusion als Lösung der Energieprobleme ins Spiel bringen, stehlen sie sich aus ihrer Verantwortung. Aus der Verantwortung, die derzeit drängenden Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen", ist atomstopp-Geschäftsführer Stoiber überzeugt und fordert: "Schenken Sie den Menschen endlich reinen Wein ein! Sagen Sie ihnen, dass der Ausbau der Erneuerbaren dringend vorangetrieben werden muss, dass die Energiesysteme rasch intelligent umgebaut werden müssen und dass es ohne sinnvolle Einsparungen in allen Bereichen nicht gehen kann!"

Rückfragen & Kontakt:
Herbert Stoiber, +43 681/10 42 92 51
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21.04.26 atomstopp & Anti-Atom-Komitee Freistadt: 40 Jahre nach Tschernobyl rückt Schulveranstaltung aktuelle Atomgefahren ins Zentrum
Anlässlich des 40. Jahrestages der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl laden das Anti-Atom-Komitee Freistadt und atomstopp_atomkraftfrei leben! 350 Schüler_innen zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung ein. Ziel ist es, die Lehren aus der Vergangenheit mit aktuellen Entwicklungen der Atompolitik zu verknüpfen.
Image1023 Kurz vor dem 40. Tschernobyl-Gedenktag, dem 26.04. sind die Gefahren der Atomenergie für Österreich besonders brisant geworden. Kürzlich hat die tschechische Regierung verkündet, das Atomkraftwerk Dukovany statt der ursprünglich vorgesehenen 30 Jahre nun bis zu 80 Jahre in Betrieb halten zu wollen.

"Dukovany ist nur 31 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Die vier Reaktoren verfügen über kein modernes Containment und weisen damit sicherheitstechnische Parallelen zum Reaktor in Tschernobyl auf. Bei einem Super-GAU in Dukovany sind - abhängig von der Windrichtung - auch große Gebiete in Österreich zu evakuieren", warnt Herbert Stoiber, Geschäftsführer von atomstopp_atomkraftfrei leben!

Die Schüler_innen haben die Möglichkeit, mit zwei ausgewiesenen Expert_innen zu sprechen: Helga Kromp-Kolb, emeritierte Universitätsprofessorin für Meteorologie und Klimatologie ist international eine der prägendsten Stimmen in der Klimaforschung. Sie berichtet als Zeitzeugin über die Lage nach Tschernobyl in Österreich und zeigt auf, warum Atomenergie für die Energiewende nicht relevant sein kann. Der Physiker Markus Drapalik arbeitet am Institut für Sicherheits- und Risikowissenschaften der BOKU Wien mit Schwerpunkt auf Kernkraftsicherheit und Strahlenschutz. Er zeigt auf, warum Atomkraftwerke keine gute Alternative zu Erneuerbaren Energien sind.

"Gerade 40 Jahre nach Tschernobyl ist es uns ein zentrales Anliegen, junge Menschen nicht nur über die historischen Ereignisse zu informieren, sondern ihnen auch ein Verständnis für aktuelle Risiken und den hohen Preis der Atomenergie zu vermitteln", ergänzt Gerold Wagner, Projektverantwortlicher beim Anti-Atom-Komitee Freistadt.

Die Veranstaltung findet am 23. April 2026, 10:30-13:00 Uhr im Salzhof Freistadt statt. Sie wird vom Anti-Atom-Komitee Freistadt gemeinsam mit atomstopp_atomkraftfrei leben! organisiert und durch die Anti-Atom-Offensive des Landes Oberösterreich ermöglicht.

Rückfragen & Kontakt:
Herbert Stoiber, atomstopp_atomkraftfrei leben!
+43 681 / 10 42 92 51
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